Callies & Schewe – Kommunikation: Drei Lehren aus der Klinsmann-Krise

Kommunikation: Drei Lehren aus der Klinsmann-Krise

Aus der Agentur

Die Fackel

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Kommunikation: Drei Lehren aus der Klinsmann-Krise

Nicht die Schweinegrippe, nicht der Wirtschaftseinbruch, nein: Die Entlassung von Jürgen Klinsmann war der ARD einen eigenen Brennpunkt und dem ZDF einen Aufmacher im heute journal wert. Bemerkenswertes Finale einer medialen Treibjagd, in der die Verantwortlichen am Ende jeden Handlungsspielraum verloren hatten. Drei Lehren, die Kommunikatoren und Führungskräfte aus der Klinsmann-Krise ziehen können.

1. Versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten können

„Wir wollen jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen”: So oder ähnlich formulierte Klinsmann den folgenschwersten Satz seiner ersten Pressekonferenz 2008. Jeder Werbetexter wünscht sich einen Einfall mit diesem Erinnerungswert. Dummerweise handelt es sich bei dieser, im Klinsmann´schen Enthusiasmus getroffenen Aussage um ein per se unerfüllbares Versprechen. Denn selbst wenn der Coach „alles” richtig macht: Die Zahl der Einflussfaktoren auf die Leistung der Spieler geht gegen unendlich. Private Probleme, plötzliche Verletzungen, persönliche Animositäten innerhalb des Teams – all das wirkt direkt auf die abrufbaren Fähigkeiten eines einzelnen Spielers ein, der Einfluss des Trainers ist hier begrenzt.

Klinsmanns Spruch mag ein hehres Ziel, ein guter Slogan gewesen sein – doch er legte die Messlatte unerreichbar hoch und wirkte zudem anmaßend. An solchen Aussagen werden Führungskräfte gemessen. Kritiker hatten von Anfang an die Munition für ein Feuerwerk aus Häme und Spott, wenn es beim Trainerneuling nicht laufen sollte. Klinsmanns erster Satz war schon der Anfang vom Ende.

2. Schweigen ist die schlechteste aller Optionen

Die Krise beim FC Bayern gärte wochenlang. Doch die Führungsetage schwieg. Und schwieg. Und schwieg. Keine Aussage zur Strategie, keine Bekenntnisse zum Trainerteam, das mehr und mehr an Autorität verlor. Im Grunde wusste ganz Deutschland seit Wochen, dass Klinsmann gehen muss. Nur die Beteiligten offenbar nicht: Klinsmann wirkte überrascht und enttäuscht, der Interimscoach Heynckes wurde erst spontan nach der Schalke-Niederlage verpflichtet. Das klingt nicht so, als hätte der Vorstand seit Wochen eine Ablösung Klinsmanns vorbereitet.

Doch die Entscheider hatten jetzt gar keine andere Wahl mehr, schließlich war der Druck der Straße längst zu groß. Auch deshalb, weil Vorstand und Manager sich zu lange die Köpfe eingezogen hatten. Ergebnis des Schweigemarathons: Der Trainer ist zwar weg, doch der Vorstand steht für sein Krisenmanagement am Pranger.

3. Mangelnde Authentizität wird bestraft

Authentische Menschen, Organisationen, Unternehmen werden als sympathisch empfunden. Für einen glaubwürdigen und „echten” Auftritt ist es jedoch entscheidend, dass reden und handeln miteinander im Einklang stehen – oder es zumindest so scheint. Medial vermittelt wurden im Fall Klinsmann vor allem die Widersprüchlichkeiten: Buddhas aufgestellt und wieder abgeräumt. Kapitän ernannt und auf die Bank gesetzt. Torwart stark geredet und dann aussortiert.

Ganz gleich, welche Anekdote sich tatsächlich wie übermittelt zugetragen hat: In der Öffentlichkeit entstand das Bild eines wankelmütigen, unerfahrenen, führungsschwachen Trainerneulings. Klinsmann hat lange darauf verzichtet, seine Entscheidungsprozesse transparent zu machen und zu erklären. Am Ende wirkte er unglaubwürdig, seine Durchhalteparolen schienen aufgesetzt, der Sommermärchen-Messias wirkte wie eine Karikatur seiner selbst. Doch mangelnde Authentizität wird heute mehr denn je mit öffentlichem Liebesentzug bestraft. Es mag tragischerweise sogar sein, dass Klinsmann in seiner eigensinnigen Art womöglich sogar eine der authentischsten Figuren unserer Tage ist. Doch in der medialen Vermittlung seiner Marke blieb der radikale Change Manager schlicht zu passiv.