Callies & Schewe – Storytelling: Was Unternehmen von Olli Schulz lernen können

Storytelling: Was Unternehmen von Olli Schulz lernen können

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Storytelling: Was Unternehmen von Olli Schulz lernen können

Olli Schulz, fotografiert von Oliver Rath

Olli Schulz, fotografiert von Oliver Rath

Der Mann ist kein begnadeter Sänger. Dennoch stand sein Album auf Platz vier der deutschen Charts. Er sieht nicht außergewöhnlich gut aus und hat einen kleinen Sprachfehler. Trotzdem machte er im Fernsehen Karriere. Denn Olli Schulz hat ein Talent: Er erzählt gnadenlos gut Geschichten. Was Unternehmen vom Hamburger Songwriter lernen können.

“Ich bin mal nach Wien geflogen, weil ich da nen Auftritt hatte. Am Flughafen laufe ich durch die Kontrolle und es piept. Fragt mich der Sicherheitstyp: Haben Sie Rasierklingen dabei? Ich meine, ich habe einen Bartwuchs wie ein Zwölfjähriger! Meine Antwort: Keine Ahnung. Er: Wenn ich in Urlaub fliege, dann weiß ich doch, ob ich Rasierklingen dabei habe. Darauf ich: Und weil du so schlau bist, stehst du hier und kontrollierst meine Tasche.”  – Es sind Geschichten wie diese, die Olli Schulz dutzendfach abspulen oder besingen kann. Immer mit einem Hauch von Anarchie, nie langweilig, oft mit einer oder gar mehreren Pointen. Manchmal böse, meistens liebenswert. Ganz so wie das Leben. Ob die Geschichten wahr sind, ist Schulz dabei gar “nicht wichtig”, wie er dem Spiegel einmal verraten hat. Entscheidend sei es, “Zauber” zu erzeugen. Damit hat er es zur eigenen Fernsehshow (“Schulz in the Box”) gebracht, in die Top Ten der Charts und gemeinsam mit Jan Böhmermann zur derzeit wohl populärsten Radiosendung Deutschlands (“Sanft & Sorgfältig”).

Drei Grundlagen guter Geschichten

Nun, “Zauber” zu erzeugen ist das, was professionellen Geschichtenerzählern in Unternehmen am meisten abgeht. Da werden Success Storys erzählt, in furchtbarem Neusprech und ohne jeden Dreh. Man weiß schon bei der Überschrift, wie es ausgeht. Da wird der Vorstandsvorsitzende im Interview artig nach Synergien zur Fusion befragt, und er antwortet mit den bekannten blasenartigen Bandwurmsätzen. Da füllen Unternehmensfilme ohne jeden dramaturgischen Kniff eine Unmenge an YouTube-Kanälen. Geschichten erzählen heißt nicht, dass irgendwas möglichst korrekt berichtet wird. Nur weil “Geschichte” draufsteht, weil etwas gedruckt oder gesendet wird, muss es sich noch lange nicht um eine Geschichte handeln.

Geschichten brauchen drei zentrale Elemente, damit sie ihre Macht entfalten können:

Authentizität

Der Geschichtenerzähler und seine Geschichte müssen zusammenpassen. Seine Wortwahl, sein Auftreten, seine erzählerischen Mittel. Olli Schulz beherrscht das instinktiv perfekt – bis hin zum gelegentlichen Einsatz hanseatischer Mundart. Sich dabei treu zu bleiben heißt auch, Gefühle wiederzugeben. Wer sich verwundbar zeigt, seine Sorgen und Nöte schildert, schafft Identifikation bei den Zuhörern. Im Business ist das meist unerwünscht, weil Schwäche zeigen verpönt ist. Warum eigentlich, wenn Kunden darauf mit Loyalität und Zuneigung reagieren?

Dramaturgie

Die Dramaturgie ist die Kunst, Geschichten gut zu erzählen. Zunächst gibt es immer eine Einleitung – in unserem Beispiel zu Beginn den Satz: “Ich bin mal nach Wien geflogen…”. Der Held bricht aus seiner gewohnten Umgebung auf.  Doch auf seiner Reise wird er jäh gestoppt. Am Flughafen, wegen der vermeintlichen Rasierklingen im Gepäck. Er stellt sich dem Gegner und dem Konflikt. Die Auflösung und der Triumph über den Anti-Helden erfolgen am Ende durch die Pointe. Der Held setzt seine Reise gestärkt fort. Dieses “Character-Driven”-Reiseschema nach Christopher Vogler ist eine der klassischen Erzählformen, die sich in Hollywoodfilmen und Märchen immer wieder finden. Es gibt eine Krise und einen Konflikt, den es zu lösen gilt – der Held durchläuft einen Prozess, er entwickelt und verändert sich. Das erzeugt Spannung, Identifikation und bringt am Ende die ersehnte Erlösung. Unternehmens- und Produktgeschichten lassen sich nach diesem Schema fesselnd inszenieren.

Empathie

Auch wer von sich erzählt, sollte die Story immer dem jeweiligen Publikum und der Situation anpassen. Erzähler und Publikum haben eine Abmachung. Das Versprechen, dass die Erwartungen an die Geschichte eingelöst werden und die Zeit nicht verschwendet wird. Jemand, der seine Zuhörer auf einer Party eine Viertelstunde ohne Pointe langweilt, verliert in diesem Moment auch deren künftige Aufmerksamkeit. Es geht darum, welche Aspekte einer Geschichte für das jeweilige Publikum spannend sind – und die Erzählweise anzupassen. Unternehmen sollten daran denken, bevor sie auf Facebook, YouTube oder im Kundenmagazin weiter belanglose Inhalte absondern.

Olli Schulz beherrscht diese Grundlagen instinktiv, hat das Geschichtenerzählen in Hunderten Auftritten verfeinert. Noch eine Kostprobe zum Schluss: “Irgendwann hörte ich, wie ein Kameramann zum anderen sagte: Das soll unser neuer Entertainer sein? Weißt du was: Freddy Quinn, das war noch ein Entertainer.” Selbstironie, auch so eine Erzähltechnik, die sympathisch macht.

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