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Das Schweigen der Eliten: Warum wir wieder streiten lernen müssen

Probleme lösen sich durch Schweigen nicht in Luft auf. Trotzdem scheint das in den Krisen unserer Zeit die bevorzugte Strategie — Jogi Löw lässt grüßen. Das ist falsch und kommt uns alle langfristig teuer zu stehen.

Nach der größten Niederlage seiner Amtszeit verschwindet der Bundestrainer geschafft in den Urlaub und schweigt. Dafür reden andere millionenfach über ihn, und der Konflikt weitet sich aus. Längst geht es um viel mehr als das Ausscheiden einer Fußballmannschaft bei einem Turnier. Der DFB ist in Aufruhr.

In der Echtzeit-Gesellschaft sozialer Medien werden Gerüchte zu Fakten, wird Verärgerung zu unbändiger Wut. So kommt es, dass Kommunikationskrisen durch Schweigen massiver denn je eskalieren — siehe auch Flüchtlingsaufnahme, Diesel-Skandal oder Berliner Flughafen. Am Ende verschwinden ab und an einige Verantwortliche. Doch die Probleme bleiben ungelöst.

Wer schweigt, weil ihm die Debatte lästig ist, entzieht sich seiner Verantwortung. Dabei gibt es klare Drehbücher, wie Krisen gemanagt werden können: miteinander reden, präsent sein, um Lösungen ringen, Konsequenzen ziehen. Ja, das ist aufwändig und nervig. Aber demokratische Gesellschaften verlangen eben, dass man seine Entscheidungen rechtfertigt.

Bleierne Konfliktscheu lähmt

Es ist schwer zu sagen, ob die Kommunikationsverweigerung der gesellschaftlichen Eliten die Ursache oder die Folge einer bleiernen Konfliktscheu ist, die dieses Land mittlerweile prägt. In Gemeinde- und Stadträten wird fleißig abgenickt, Arbeitnehmervertreter und Vorstandsvorsitzende machen in Unternehmen gemeinsame Sache und die demokratischen Parteien sind in zentralen Politikfeldern derselben Meinung. Oder nehmen wir die Universitäten: Schon 2012 hat der Wissenschaftsrat herausgefunden, dass Studierende immer bessere Noten bekommen. Das belegt weniger deren Leistungsfähigkeit als die Harmoniesucht der Dozenten. Denn wer gute Noten gibt, hat seine Ruhe.

Viel zu ruhig muss es auch in den Vorstandsetagen deutscher Automobilkonzerne zugegangen sein. Bei der Schummel-Software in Dieselmodelle war Klappe halten die Devise. Die wenigen kritischen Geister konnten zudem die Auseinandersetzung um alternative Antriebe nicht gewinnen. Sonst wäre die neue Batteriezellfabrik in Thüringen vielleicht eine deutsche und keine chinesische.

Wir müssen Konflikte mit offenem Visier austragen und die fälligen Debatten führen, statt sie zu ignorieren und immer weiter zu machen wie bisher. Denn Schweigen wird teuer. Gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich. Der DFB merkt gerade schon, wie ihm die Felle davonschwimmen.

Der Beitrag erschien als Kommentar am 16. Juli zuerst im PR-Journal.

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