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Lounge Talk: „Kreativität entsteht durch Mangel und im Freiraum“

Volles Haus bei unserem 1. Lounge Talk zur „Zukunft der Kreativität“ im Mannheimer Werkhaus: YouTube-Unternehmer Dr. Patrick Proner erzählte, wie er den erfolgreichsten Kanal für Kinderlieder in Deutschland aufbaute. Professor Carsten Deckert betonte, dass„Kreativität im Mangel entsteht und Freiraum braucht, auch in Unternehmen.“ Sängerin Vivie Ann bezauberte mit Gesangseinlagen und gab zudem Einblicke in ihre kreative Arbeit. 

Patrick Proner suchte einst mit seiner kleinen Tochter auf YouTube nach Kinderliedern und fand dort eine Version von „Alle meine Entchen“: „Da wusste ich, ich kann das besser produzieren.“ Der Google-Manager setzte sich daraufhin intensiv mit allen Tools auseinander, fand in der Kita seines Kindes einen Musiker – der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Heute ist er Unternehmer, seine Lieder sind mittlerweile über 1 Milliarde mal angesehen worden. Neben Eltern und Kindern aus dem deutschsprachigen Raum schauen auch Sprachschüler in aller Welt die Animationsfilmchen, um ihr Deutsch zu verbessern. Patrick Proner ist ein Beispiel für eine Kreativität, die verschiedene Fähigkeiten miteinander verknüpft und Marktchancen erkennt. Digitale Tools vereinfachen die Medienproduktion heute enorm. Daher kommt es weniger auf Skills, als auf die Idee und deren schnelle Umsetzung an. Mittlerweile ist Proner auf YouTube mit den animierten Kinderliedern nicht mehr allein, doch er hat einen enormen Vorsprung.

Eine „typische“ Kreative im landläufigen Sinn ist dagegen Sängerin Vivie Ann. Im Odenwald als Kind einer Musikerfamilie aufgewachsen, lebt sie heute in Hamburg – und dreht auch schonmal Musikvideos in Island. „Das geht mit einem kleinen Team, das vor allem Spaß an der Sache hat. Die ganze Idee zum letzte Video haben wir uns im Flugzeug nach Reykjavík ausgedacht“, so Vivie Ann. Über Facebook und Instagram ist sie rund um die Uhr mit ihren Fans in Kontakt. Ihre Platten produziert sie unterstützt durch Crowdfunding. „Kreativität ist für mich vor allem die Freiheit, das zu tun was ich will und meine künstlerischen Impulse zu verwirklichen“, sagt Vivie. Für ihre Gesangseinlagen aus ihrem aktuellen Album „When the Harbour becomes the Sea“  gab es viel Beifall.

„Komfortzone in Unternehmen oft viel zu groß“

Für Professor Carsten Deckert von der Hochschule Düsseldorf entsteht Kreativität aus einem„Mangelgefühl und viel Freiraum“. „In Unternehmen ist die Komfortzone oft viel zu groß und dann wird versucht, mit Spielereien Kreativität zu erzwingen. Das gelingt aber nicht, weil echte Offenheit meist fehlt. Fehlervermeidung erzeugt keine kreativen Lösungen“, sagt Deckert. Eine Tatsache, die er in seinem kleinen Büchlein „Anleitung zum Uninnovativsein“ spielerisch zu Papier brachte. Speziell Ingenieure müssten lernen, von der Lösung technischer Probleme wegzukommen und die Probleme der Kunden zu erkennen. So könne dann aus Kreativität auch Innovation entstehen.

„Unterschiedlichen Arten von und Impulsen für Kreativität sind wir heute wunderbar auf die Schliche gekommen“, sagte Moderator Sebastian Callies zum Abschluss. Beim nächsten Termin im Herbst drehe sich dann alles darum, wie Künstliche Intelligenz die kreative Arbeit verändere.

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